Gastbeitrag: Linux und der Konsum-Mensch
Montag, den 28. Januar 2008Vorwort: Der folgende Beitrag ist ein Gastbeitrag von Roman Hanhart, welcher im Rahmen der Aktion “500 Tage Wordpress” entstanden ist.
Linux ist eigentlich gar nicht so alt. Denn erst 1991 begann die eigentliche Geschichte des freien Betriebssystem mit Linus Torvalds. Also vor etwa 16 Jahren. DOS ist deutlich älter, denn es wurde bereits 1980 produktiv eingesetzt. Aber auch UNIX ist steinalt, erste Gehversuche machte das Urgestein 1969. GNU/Linux basiert auf UNIX und ähnelt bis heute dem Urahnen. Lange Zeit blieb es ein Betriebssystem für Logengänger in den binären Gefilden. Für Normalsterbliche und Nutzer eines PCs war Linux nicht interessant, weil es ein Grundwissen voraussetzt, das üblicherweise nicht in jenen Köpfen vorhanden war. Und oft konnte man den Eindruck bekommen, dass dieser Umstand den eingefleischten Linuxaner gerade recht und billig war. Denn dadurch konnten sie ihr Geheimwissen hinter ihren Mauern horten, ohne dass wirklich die breite Masse davon profitieren konnte. Mit schrägen Blicken missbilligten sie den Aufschwung und das steile Emporsteigen eines andern Betriebssystems aus Redmond und lachten hämisch ob den Benutzern, die mangels “wirklichem Wissen” ein Spielzeug, statt ein OS nutzen würden. Heute ist diese Spezies praktisch ausgestorben. Niemand mehr lacht einen Windows-User aus oder beschimpft einen Linux-Menschen als Bastler. GNU/Linux wird auch nicht mehr bloss als Server genutzt, sondern findet den Weg auch zunehmend auf die Desktops.
Dazu hat auch die Weiterentwicklung von GNU/Linux beigetragen. Just jene grafischen Elemente, welche bei Windows breit aufgenommen und liebend gerne benutzt wurden, entlehnten sich die Macher der Linux-Distributionen und ahmten jene fast haargenau nach. Allerdings sind die meisten der grafischen Elemente, die heute zum alltäglichen Arbeiten am Rechner gehören, ein Relikt aus der alten Apple-Zeit. Aber das will heute niemand mehr wissen. Und so entwickelt sich auch GNU/Linux für den Desktop langsam aber sicher zum Konsum-Produkt, das fast jedermann bedienen kann. Die Speerspitze dieser Entwicklung bildet der Debian-Abkömmling Ubuntu mit seinen Ablegern Xubuntu, Edubuntu und Kubuntu sowie Gobuntu. Mit jenen einfach zu bedienenden Distributionen hat so mancher Windows-User sich an einem Linux versucht und einige wenige von ihnen sind daran hängengeblieben.
Linux als gesamte Entwicklung hat sich aus ihren eigenen Mauern herausgewagt und den Schritt in die Konsumwelt gewagt. Desktop und Linux ist heute keine exotische Lösung mehr. Sie ist salonfähig und damit gehen die Entwickler auch Kompromisse ein. Distributoren werden grösser und damit stehen sie vor der Aufgabe, auch unattraktive Entscheidungen fällen zu müssen, die einer breiten Masse entgegenstehen. Google befindet sich zur Zeit in der selben Phase und wird deswegen auch als “microsoftige Firma” bezeichnet. Politisch und kommerziell dürfte es nicht einfach sein, ein freies GNU/Linux zu vermarkten. RedHat und Consorten haben es versucht, sind teilweise erfolgreich, haben aber in manchen Bereichen einen Schuh voll Zoff herausgezogen.
Wie dem auch sei; GNU/Linux und Apple werden wohl gemeinsam in Zukunft der Firma Microsoft zu Redmond einige Marktanteile unter den Füssen wegziehen. Ob wir als Konsumenten dann schliesslich Vorteile daraus ziehen können, bleibt offen. Klar hingegen ist, dass sich der Wettbewerb immer zu Gunsten einer gesunden Innovation und einer Preis-Nivellierung bewegt hat. Deswegen dürfen wir alle hoffen, dass der linuxansiche Aufstieg sich zu Gunsten Aller entwickelt.