Der Umstieg (3) – Tschaka, du schaffst es!
Montag, den 29. Oktober 2007Widmen wir uns heute dem letzten Teil der Trilogie. Diesmal geht es um die Hindernisse auf dem steinigen Pfad des Umstiegs sowie um Tipps und Tricks, diese Hindernisse zu umgehen oder sogar aus dem Weg zu räumen. Ich hätte den Titel des Themas auch wie folgt formulieren können: “Wie man den Umstieg konsequent durchzieht.” In Anbetracht der Hürden, die sich dem Umsteiger mit demotivierenden Auswirkungen in den Weg stellen können, hielt ich eine aufbauende Überschrift für besser geeignet.
Kopfsache
Im Grunde ist der Umstieg keine Sache technischen Verständnisses. Es geht um elementarere Dinge als KnowHow (das hat man als Einsteiger ohnehin nicht). Im Kern kommt alles nur darauf an, wie man mit dem Kopf zum Umstieg steht. Ist man nicht wirklich überzeugt von dem, was man tut oder ist man in gewissen Belangen etwas zu bequem, so wird man schnell rückfällig und stürzt sich wieder auf sein zuvor genutztes Betriebssystem.
Und so kam es, wie es kommen musste…
Bei meinem ersten Versuch, auf Linux umzusteigen, war ich einfach zu bequem. Es fehlte mir an Durchsetzungskraft und Konsequenz, Probleme zu lösen, die ich noch hatte. Unter openSUSE hatte ich seinerzeit einige Schwierigkeiten mit meiner Hardwarekonstellation und der installierten Software (siehe auch Teil 2 der Serie). Darüber hinaus war ich für den Umstieg nicht mal genügend vorbereitet, wie ich später heraus fand.
Mein zweiter Versuch verlief trotz ausreichender Vorbereitung auch nicht viel besser. Es scheiterte wieder an fehlender Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit. Möglicherweise lag es daran, dass ich im Kopf noch nicht ganz bereit dafür war.
Möglicherweise lag es aber auch daran, dass ich meinen zweiten Umstiegsversuch in einer Zeit startete, in der ich recht viel um die Ohren hatte. Es war kurz nach dem Beginn meines Informatik-Studiums, als ich Kubuntu installierte. Ich denke, ich war noch von zu vielen Eindrücken des Studiums abgelenkt, als dass ich mich mit dem für mich neuen System näher auseinander setzen wollte. Und so wechselte ich schon bei Kleinigkeiten wieder zu Windows zurück, weil ich bislang noch keine Ausdauer fand, unter Linux bestimmte Einstellungen vorzunehmen, die in meiner Windowsinstallation schon längst erledigt waren.
Halte durch, tapferer Indianer.
Was man hier benötigt, ist eine gehörige Portion Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen. Letzteres kann man durch eine stetige Motivation erlangen und immer wieder auffrischen. Für solche Motivationsschübe widerum gibt es einige Tipps und Tricks, die sich mir bis dahin offensichtlich noch nicht erschlossen haben.
“I’ll be back!”
Ohne weiter über fehlende Motivation nachzudenken und lieber mein Studium zu verfolgen, legte ich den Umstieg auf Eis. Aber das Thema Linux ließ sich noch nicht so recht verdrängen aus meinem Kopf. Regelmäßig las ich den Einsteiger-Blog, obwohl ich ja bis dato gar kein Linuxuser war. Der Pinguin kam eben wiederholend in mein Gedächtnis zurück, um von dort aus auf meinen PC zu gelangen.
Auf dem rechten Pfad
Also beschloss ich Anfang/Mitte Oktober, einen weiteren Versuch zu wagen. Am 15.10.2007 installierte ich auf meinem Rechner Fedora (der Tag wird nun im Kalender festgehalten). Diesmal allerdings habe ich eine Reihe wichtiger Punkte beachtet, die mir erst bei diesem dritten Versuch klar wurden, gemäß dem Motto “alle guten Dinge sind drei”.
Ratschläge: So bleibst du am Ball
Ohne nun weiter großartig auszuholen und einen vom Pferd zu erzählen, komme ich zum Abschluss. Folgende Punkte habe ich diesmal bei meinem Umstieg beachtet (beruhend auf den Erfahrungen meiner ersten beiden Umstiegsversuche):
- Plane deinen Umstieg in einer ruhigen und stressfreien Zeit. (Stress veranlasst dich, den Weg des geringeren Widerstands zu gehen. Du würdest kaum bei Linux bleiben, wenn du viel um die Ohren hast.)
- ganz wichtig: Mache dein Vorhaben publik. Erzähle Freunden und Bekannten vom Umstieg. (Ein Rückfall lässt an deiner Glaubwürdigkeit zweifeln, das willst du doch nicht. Das motiviert demnach ungemein.)
- Stelle bei einer Parallelinstallation von Linux neben Windows den Bootloader (z.B. GRUB) so ein, dass Linux als Standard gestartet wird. (Anderenfalls musst du Linux aktiv auswählen. Das geht nicht lange gut, die Bequemlichkeit siegt. Da sprechen gewisse Erfahrungswerte aus mir.)
- Gehe den Umstieg ruhig an. (Dass von Anfang an nicht alles so läuft, wie man es wünscht, ist klar.) Überstürze also nichts und mache eine Checkliste mit ToDo’s/Tasks/Wünschen an das Linuxsystem.
- Priorisiere die Punkte auf der Checkliste. Markiere jene Aufgaben, die du zuerst erledigt haben möchtest. (Mir war bspw. die Kommunikation (Mailprogramm, Chat, etc.) und das Hören von Musik wichtiger als Officesoftware.)
- Gegebenenfalls solltest du unten anfangen mit deinem System. Soll heißen, deinstalliere alles Mögliche an Software, die für die Lauffähigkeit des Systems und der grafischen Oberfläche nicht notwendig sind. Erst dann installiere alles einzeln nach, was du benötigst. (Dadurch wirst du dein System später besser leiden können. Ich mag mein System jedenfalls nicht, wenn da nur “Schrott” drauf ist. Ich hab es lieber aufgeräumt.)
Weitere Ratschläge zur Fragestellung “Wie vermeide ich den Rückfall?” nehme ich gerne und dankend an.
Ende…?
Vielleicht ist an dieser Stelle noch ein Schlusssatz zum dritten und letzten Teil der Serie “Der Umstieg” angemessen. Allerdings hat solch ein Schlusssatz immer soetwas Endgültiges und Unwiderrufliches an sich.
Der Umstieg ist aber nun mal ein Vorgang, dessen Ende nicht leicht zu bestimmen ist. Es lässt sich nicht einfach ein Zeitpunkt finden, an dem gesagt werden kann, man sei “fertig” mit dem Wechsel von Windows zu Linux. Um dies auch in diesem Beitrag zu verdeutlichen, verzichte ich auf eine abschließende Formulierung, die sozusagen einen Punkt setzt.
Viel lieber lasse ich ein offenes Ende, in der Literatur- und Fernsehwelt nennt man das übrigens Cliffhanger. Ich setze statt nur einem lieber gleich drei Punkte…